400 km/h

Ruhm und Ehre, die technische Herausforderung oder der Kick der Geschwindigkeit bilden die Motivation für Tüftler, Ingenieure und selbsternannte Visionäre, straßenzugelassene Autos und autoähnliche Fahrzeuge zu entwickeln, deren Höchstgeschwindigkeit mehr als 400 km/h betragen soll. Kein leichtes Unterfangen.

Als erstes hat Bugatti Ernst gemacht und mit dem Veyron gezeigt, dass man mit einem Sportwagen 400 km/h schnell sein kann, wenn auch bisher offiziell nur auf der Hochgeschwindigkeitsteststrecke in Ehra-Lessien. Dabei sah es lange Zeit so aus, als wollte Bugatti das hoch gesteckte Ziel doch noch verwerfen und die Höchstgeschwindigkeit des Veyron auf um die 350 km/h beschränken - zu groß schienen die Fahrwiderstände zu sein.
Der größte Feind aller Geschwindigkeitsrekordler ist dabei zunächst die Luft bzw. der Widerstand, den sie allem bietet, was sich durch sie hindurch bewegen möchte. Selbst über 1000 PS reichten dem 16-Zylinder-Monster Veyron zunächst nicht aus, um dem Luftwiderstand Herr zu werden! Man entschied sich daraufhin, für Höchstgeschwindigkeitsfahrten neben der Verkleinerung der Kühlluftöffnungen den Anstellwinkel des Heckflügels zu verkleinern, um so den cw-Wert und damit den Luftwiderstand selbst zu verringern. Dies wirkt sich aber nachteilig auf die Fahrstabilität des Fahrzeugs aus, da man mit zunehmend flacheren Flügeln mehr und mehr Anpressdruck auf die Räder verliert. Besonders bei sehr hohen Geschwindigkeiten kein besonders angenehmer Effekt. So kritisch gar, dass ein weiterer Zündschlüssel notwendig ist, um den Veyron in den 400 km/h-Modus zu versetzen.
Viel Leistung und möglichst geringe Fahrwiderstände sind das A und O, wenn es darum geht, eine möglichst große Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Viel Leistung bedeutet - wie im Falle des Bugattis - aber auch viel Platz- und Kühlluftbedarf, welcher sich wieder negativ auf den Luftwiderstand auswirkt. Mit relativ wenig Leistung, sagen wir mal 800 PS, wäre dagegen ein sehr guter cw-Wert und eine kleine Stirnfläche notwendig, um die magische “400” knacken zu können. Als Beispiel hierfür sei einmal der Koenigsegg CCR, immerhin 593 kW (806 PS) stark und vergleichsweise windschnittig, genannt, der auf der Hochgeschwindigkeitsteststrecke im süditalienischen Nardo mit 388 km/h nur scheinbar knapp an der 400er Schallmauer gescheitert ist.
Vielleicht könnte der CCR sogar noch schneller sein, vielleicht ist die Strecke zu uneben oder der Bahnradius zu klein, so dass es einen zu vehement nach außen drängt. Vielleicht reicht auch die Leistung einfach nicht ganz aus. Es haben sich jedenfalls schon einige an Nardo die Zähne ausgebissen und feststellen müssen, dass der beste Kompromiss zwischen schierer Leistungsfähigkeit, der Fahrbarkeit des Fahrzeugs und der Haltbarkeit seiner Komponenten zählt. Und letzten Endes sollen die Rekordwagen ja auch noch ein Mindestmaß an Alltagstauglichkeit aufweisen, um ihren Besitzern auch abseits jeglicher Hochgeschwindigkeitsexzesse keine Blöße zu geben.
 
31.12.06
Seite: « 1 » 
 
 
 

Login

Autor des Artikels

Sei aktiv!

  • Link empfehlen
    Du hast was Interessantes im Netz gefunden? Lass andere daran teilhaben!

auto² Blog

 
 
 
 

Werbung